
Band III
Die Wälder der flüsternden Zeit
Veröffentlicht am: 17. Mai 2026
Der Wald fragt nicht, ob du bereit bist. Westlich von Solareth stehen die Smaragdwälder — Bäume so groß wie Türme, Wurzeln, die den Boden aufreißen wie Hände, die nach etwas greifen. Im Herzen des Waldes liegt der Vita-Stein, der Solarstein des Lebens. Und der Wald will nicht berührt werden.
Figuren in diesem Band

Kael Ardyn
Der Kartograph
Kael Ardyn betrachtet die Welt lieber auf Papier als in ihr zu leben. Karten geben ihm, was die Welt selbst ihm verweigert: Ordnung. Die Illusion, dass alles einen Platz hat, wenn man nur genau genug hinschaut. Seit dem Tod seiner Eltern lebt er allein. Er hat Kunden wie Maren, den Bäcker, und Joren, den Wirt, der es gut mit ihm meint. Aber es gibt niemanden, dem er wirklich etwas erzählt. Die Ströme, die er seit Kindheitstagen sieht - Energie, die durch die Luft zieht, aus dem Boden steigt - hat er einmal seinem Vater beschrieben. Der hat gelacht. Danach hat Kael aufgehört, davon zu reden. Er stellt Fragen, auch wenn die Antworten unbequem sind. Er lügt selten. Er reagiert auf die Welt, er gestaltet sie nicht. Das wird sich ändern müssen. Was er noch nicht weiß: Er sieht die Ströme nicht nur. Die Steine antworten ihm. Was das bedeutet, wird die Frage sein, die ihn durch alle zehn Bände trägt.

Lyra Veyne
Die Nachtklinge
Lyra wurde nicht zum Orden der Nachtklingen rekrutiert. Sie wurde dort erzogen. Das ist ein Unterschied. Sie kennt kein Leben außerhalb der Ausbildung, keine Kindheit, die ihr gehört hätte. Der Orden hat ihr beigebracht, dass Gefühle trügen und Zweifel gefährlich sind. Sie hat das geglaubt. Einen Teil davon glaubt sie noch. Aber sie hatte immer Fragen. Gestellt hat sie sie nie. Im Orden fragt man nicht. Das macht sie zur schnellsten Denkerin der Gruppe - und zur einsamsten. In einer Gefahr sieht sie den Ausweg, bevor andere die Gefahr erkannt haben. Niemand kommt ihr wirklich nah. Verbindung ist für sie eine Schwachstelle, die ausgenutzt werden kann. Was sie antreibt, ist kein Mitgefühl. Es ist Misstrauen. Der Orden weiß etwas, das er ihr nicht gesagt hat. Das wird sie nicht ruhen lassen.

Edrin Thalos
Der Gelehrte
Edrin Thalos hat sein Leben einer einzigen Frage gewidmet: Warum zerbrach die Sonne? Er glaubt, die Antwort zu kennen. Beweisen konnte er sie nie. Das ist das Problem. Jahrzehnte auf der Suche, Reisen durch alle Regionen von Aeryndor, Gespräche mit Sterbenden, die Dinge gesehen haben, die andere nicht glauben wollten. Vor Jahrzehnten verschwand er von der Akademie in Solareth. Die meisten halten ihn für tot. Seine Überzeugung: Die Sonne zerbrach nicht zufällig. Jemand hat es gewollt. Und die Solarsteine sind keine Magie. Sie sind Teile einer Maschine. Er ist kein gütiger Mentor. Er ist zielgerichtet. Er hat Kael gefunden, weil er ihn brauchte. Er ist bereit, andere in Gefahr zu bringen, weil er überzeugt ist, dass das Ziel es rechtfertigt. Was ihn menschlich macht: Er zweifelt. Nicht an den Fakten. Aber an der Frage, ob er das Richtige damit tut.

Tarek Valcor
Der General
Valcor ist der schwierigste Charakter der Serie - weil er recht haben könnte. Er glaubt, die Welt kann nur überleben, wenn die Sonne wiederhergestellt wird. Das ist keine Machtgier. Es ist eine Überzeugung, zu der er durch eigene Beobachtung gekommen ist. Er hat gesehen, was die Solarsteine mit Regionen machen: die wachsende Hitze über Solareth, die Zeitverzerrungen der Nebelmarken, die zunehmende Instabilität zwischen den Fragmenten. Seine Schlussfolgerungen sind nicht falsch. Das Problem ist der Preis, den er bereit ist zu zahlen. Er denkt in Strategien, in Ressourcen, in Zielen. Menschen sind beides - Mittel und Hindernis. Als General hat er gelernt, dass Arithmetik manchmal grausam aussieht und trotzdem richtig ist. Diese Überzeugung hat ihn weit gebracht. Sie macht ihn gefährlich. Was die Begegnung mit Kael kompliziert: Beide wollen dasselbe. Die Frage ist, wer das Recht hat, die letzte Entscheidung zu treffen - und was diese Entscheidung kostet. Er kämpft für das Überleben der Welt und ist bereit, die Welt dafür zu zerstören.

Neven
Gelehrter
Neven war Student an der Akademie von Solareth, bis sie ihn hinauswarfen. Sein Vergehen: Er forschte zur Instabilität der Fragmente. Die Akademie hielt das für gefährlich. Valcor nahm ihn auf. Seitdem arbeitet Neven für ihn. Er misst die Energie der Fragmente und kennt alte Texte über Menschen, die in Resonanz mit den Strömen stehen. Es ist kein Zwang - Neven glaubt, dass Valcor recht hat. Die Sonne stirbt. Jemand muss etwas tun.
Karten

Aeryndor
Aeryndor ist ein Kontinent, der nach dem Sonnenbruch nie wieder derselbe war. Vor fast tausend Jahren zerbarst die Sonne in sieben große Fragmente. Diese Fragmente - Solarsteine - fielen auf verschiedene Regionen der Welt und veränderten Naturgesetze, Magie und Klima. Valeryn Ein großes Königreich im Westen mit fruchtbaren Ebenen und alten Städten. Die Hauptstadt ist Lythar. Valeryn gilt als relativ stabil, weil der dortige Solarstein schwächer wirkt. Solareth Eine riesige Handelsstadt im Süden. Über ihr hängt ein permanenter rötlicher Himmel, verursacht durch den Ignis-Stein, der vor fast tausend Jahren in die Vulkanlandschaft fiel. Solareth ist reich, gefährlich und voller politischer Intrigen. Die Nebelmarken Eine Region im Norden. Dichte Wälder, Nebel, Ruinen einer vergessenen Zivilisation. Hier soll Zeit manchmal anders verlaufen. Das Glasmeer Ein ehemaliger Ozean im Südosten, erstarrt zu kristallinem Glas. Niemand weiß genau, wie. Schiffe können dort nicht mehr fahren. Manche behaupten, unter der Oberfläche liege etwas Uraltes. Die Schattenberge Ein riesiges Gebirge im Norden. Dort lebt der Orden der Nachtklingen.

Solareth
Die größte Handelsstadt Aeryndors. Im Süden des Kontinents gelegen.
Reisende, die zum ersten Mal nach Solareth kommen, heben den Blick und fragen, ob es immer so aussieht. Die Einheimischen zucken mit den Schultern. Sie kennen keinen anderen Himmel. Über Solareth hängt ein permanenter roter Schein - erzeugt vom Ignis-Stein, der vor fast tausend Jahren in den Krater unter der Stadt fiel und seither nie aufgehört hat zu brennen. Die Stadt wurde um diesen Krater herum gebaut, auf ihm, über ihm. Wer in Solareth lebt, lebt auf einem Solarstein. Die Stadt ist reich, laut und gefährlich. Ihr Reichtum kommt aus dem feuerverstärkten Stahl, der in der Nähe des Ignis-Steins geschmiedet wird - härter und leichter als jedes andere Metall auf dem Kontinent. Händler aus allen Regionen kommen nach Solareth, und die Stadt hat daraus ein Imperium aus Geld und Einfluss gebaut. Die Architektur zeigt das: massive Türme aus dunklem Vulkanstein, Festungsmauern, die die Stadt umgeben, breite Straßen für Handelskarawanen. Solareth wurde nicht für Schönheit gebaut. Es wurde für Überleben gebaut. Regelmäßig brechen Sonnenstürme über die Stadt herein. Tage, an denen der Himmel tiefer brennt, die Hitze unerträglich wird und Metall heiß wird in den Händen. Die Sonnenwacht - die militärische Wachmacht der Stadt - hat Warnsysteme entwickelt. Trotzdem sterben bei jedem schweren Sturm Menschen. Auf einem Hügel über der Stadt steht die Akademie von Solareth, die älteste Gelehrteninstitution des Kontinents. Sie bewahrt das Wissen über den Sonnenbruch - und unterdrückt es gleichzeitig. Im Untergeschoss liegen verschlossene Archive. Manche Fragen stellt man in Solareth besser nicht zu laut. Und tief unter der Sonnenwacht-Festung, im Herzen des Kraters, liegt der Ignis-Stein. Drängend. Rastlos. Brennend seit tausend Jahren.